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In eigener Sache

Liebe Leserin, lieber Leser,

Im März 1997 startete die erste Ausgabe des FORUM NEUE LÄNDER mit ganzen acht Seiten. Damals war diese Premiere ein kleines Wagnis. Wozu - sieben Jahre nach der glücklichen Einigung von Volk, Staat und Nation - eine Kommunalzeitschrift nur für Ostdeutschland?

Die Legitimität einer kommunalen Publikation mit dem Schwerpunkt auf den neuen Ländern wurde aber schon nach wenigen Ausgaben kaum noch in Zweifel gezogen. Die strukturellen Unterschiede zwischen den alten und neuen Ländern werden mittelfristig, so erfreulich auch einzelne Ergebnisse im Anpassungsprozess auch sein mögen, fortbestehen. Dazu gehört auch die deutlich stärkere Gewichtung der Kommunalwirtschaft in Ostdeutschland, nicht zuletzt Ausdruck der wesentlich geringeren Industriedichte.

Hohe Qualität der kommunalwirtschaftlichen Betätigung - das ist auch ein Beitrag zur Stärkung des Standortes Ostdeutschland. Wenn die Leistungskraft dort gesamtdeutsches Niveau erreicht hat -derzeit liegt sie um ein Drittel unter dem westdeutschen Stand - dann rückt das die Länder und die Menschen noch enger zusammen. Und dann werden auch die Termini von den alten und den neuen Ländern aus dem Sprachgebrauch verschwinden.

Dazu hat FORUM NEUE LÄNDER seinen Beitrag geleistet. Auf diesem Wege ist es immer mehr zu einer gesamtdeutschen Kommunalzeitschrift geworden. Deshalb heißt unser Fachorgan für kommunalwirtschaftliches Handeln ab der Dezemberausgabe 2011 nur noch UNTERNEHMERIN KOMMUNE. Die kommunale Familie ist auch eine Solidargemeinschaft. Deshalb unterscheiden wir nicht mehr nach „alt" oder „neu".

Gleichwohl bleibt der Osten für uns ein wichtiges Thema. In jeder Ausgabe behandeln wir auch zukünftig unter der Rubrik „Forum neue Länder" kommunalwirtschaftliche Themen aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Wir legen aber noch mehr Wert darauf, solche Sachverhalte aufzugreifen, die für unsere Leser in ganz Deutschland Bedeutung haben. Lassen Sie mich dieses Anliegen am Thema Demografie illustrieren. Diese Prozesse finden in den neuen Ländern eher und dramatischer statt. Bei der Entwicklung von Anpassungsstrategien spielen die Daseinsvorsorge und mithin die Kommunalwirtschaft eine zentrale Rolle. Was hier an Erfahrungen gesammelt wird, das ist für die alten Länder von allergrößter Bedeutung. Der Begriff „Demografie-Labor Ost" illustriert diesen Zusammenhang sehr anschaulich.

Wir erfüllen damit auch weiterhin eine integrative Funktion. Die kommunale Familie aus allen Teilen Deutschlands ist schon jetzt eng zusammengerückt. Das Miteinander aber wird und muss noch viel intensiver werden. Die Kommunen werden unter der sich zuspitzenden Schieflage der öffentlichen Finanzen am meisten zu leiden haben. Wer am Ende der Verteilungskette steht - übrigens vollkommen zu Unrecht, denn die Steuerkraft liegt in den Kommunen - hat am Mangel am stärksten zu leiden.

 

Prof. Dr. Michael Schäfer